Das Mentoring-Programm ist anspruchsvoll, aber sehr bereichernd 

SEET ist die einzige Organisation in der Schweiz, die Geflüchtete unabhängig von den Universitäten selbst beim Zugang zur Hochschulbildung unterstützt. Das Studienförderungs-Programm von SEET vernetzt Geflüchtete mit Mentorinnen und Mentoren, die sie wertvoll dabei unterstützen, sich im Schweizer Bildungssystem zurechtzufinden. 

Wir haben mit Daniel Halter gesprochen, um mehr über seine persönliche Motivation zu erfahren, SEET-Mentor zu werden. Er hat seine Erfahrungen als Mentor mit uns geteilt und erklärt, was er jemandem raten würde, der in seine Fussstapfen treten möchte. 

Daniel, erzählen Sie uns etwas über Ihren persönlichen Hintergrund und was Sie derzeit tun. 
Nach meinem Studium der Zellbiologie an der ETH Zürich und der Promotion in Molekularbiologie in Cambridge in Grossbritannien arbeitete ich mehrere Jahre in der Forschung, bevor ich meine Leidenschaft für Bildung entdeckte. 

Ich arbeitete als Lehrer in der Schweiz und im Ausland und war in verschiedenen Führungspositionen im Hochschulbereich tätig, unter anderem an der Universität St. Gallen, der ETH Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Vor einigen Jahren bin ich in den Ruhestand getreten und arbeite heute Teilzeit als Senior Consultant bei einer Managementberatung in Bern sowie als Leadership-Coach. Kürzlich habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt und den Ausweis für Berufs-Lastwagenfahrer erworben. 

Wann und wo sind Sie erstmals auf SEET und das Studienförderungs-Programm aufmerksam geworden? 
Bei einem Treffen vor ein paar Jahren lernte ich Alessandra Iacopino kennen, ein ehemaliges Vorstandsmitglied von SEET. Sie sprach sehr positiv über SEET und ermutigte mich, mich als Mentor zu bewerben. Ein Gespräch mit der Präsidentin Nora Diethelm überzeugte mich schliesslich, SEET als Mentor beizutreten.

Welche Faktoren haben Sie dazu inspiriert, sich als Mentor zu bewerben? 
SEET unterstützt hochqualifizierte Geflüchtete dabei, einen Weg und eine Universität zu finden, um ihre Ausbildung zu beginnen oder fortzusetzen.

Durch meine vielfältigen Tätigkeiten im Bildungsbereich – vom Kindergarten bis zur Universität, in der Schweiz und im Ausland – bin ich der Meinung, dass ich gute Kenntnisse des Schweizer Bildungssystemes habe und bei der Navigation dieses Prozesses unterstützen kann. 

Zudem empfinde ich es als Verschwendung von Talent für die Gesellschaft, wenn diese jungen Menschen ihre Fähigkeiten und Arbeitskraft nicht voll einbringen dürfen. Als Pädagoge und als Vater habe ich erlebt, was Bildung bewirken kann, wenn es darum geht, neue Perspektiven zu eröffnen und Träume von einem selbstständigen und erfüllten Leben zu verwirklichen. Einen kleinen persönlichen Beitrag zu leisten, um Menschen zu unterstützen, die aufgrund dramatischer Umstände ihr Leben neu aufbauen müssen, erscheint mir daher als sehr sinnvolles Engagement. 

Erzählen Sie uns von Ihrer Mentee, wie sich Ihre Beziehung entwickelt hat und welche Unterstützung Sie geleistet haben. 
Meine Mentee wurde in ihrem Herkunftsland beschuldigt, die „falsche“ politische Seite zu unterstützen. Sie konnte ihren Beruf nicht mehr ausüben. Sie nutzte die Gelegenheit das Land zu verlassen, und kam schliesslich in die Schweiz. Hier versucht sie nun eine Stelle in ihrem ursprünglichen Beruf zu finden und die dafür notwendigen Qualifikationen zu erwerben. 

Von unserem ersten Treffen an hatten wir eine sehr vertrauensvolle Beziehung. Sie gewährte mir Einblicke in ihre Vergangenheit und ihre aussergewöhnlichen Lebenserfahrungen.

Ich habe den grössten Respekt davor, wie sie und ihre Familie mit ihrer Situation umgegangen sind und weiterhin umgehen. Wir trafen uns regelmässig, um verschiedene Bildungswege zu prüfen, geeignete Deutschkurse zu finden und herauszufinden, wer in meinem Netzwerk ihr in ihrer Situation helfen könnte. Oft sprachen wir auch einfach über das Leben oder über kulturelle Unterschiede.

Hat Ihre Mentoring-Erfahrung Ihre Erwartungen erfüllt? Was haben Sie daraus gelernt? 
Meine Mentoring-Erfahrungen haben meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Die Unterstützung, die ich von den Mitgliedern von SEET erhalten habe, war grossartig. All meine Fragen wurden sofort und hilfreich beantwortet. Die Mitglieder:innen von SEET waren stets hilfsbereit und geduldig und verfügen über ein grosses Fachwissen zu Flüchtlingsthemen.  

Die zweisprachigen Workshops wurden mit grossem Engagement und viel Herzlichkeit durchgeführt. 

Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, mehrmals bei Behörden nachzuhaken, um Lösungen zu finden. Zudem hatte ich die Möglichkeit, einen neuen Menschen und ihre Lebensgeschichte kennenzulernen und eine bereichernde Zusammenarbeit zu erleben. 

Würden Sie jemandem, der darüber nachdenkt, sich als SEET-Mentor zu bewerben, dies weiterempfehlen? Wenn ja, warum? 
Auf jeden Fall. Wenn Sie sich für Menschen, ihre Hintergründe und Kulturen interessieren und sich für eine gerechtere Welt einsetzen möchten, sind Sie richtig bei SEET. Sie sollten bereit sein, Ihr Netzwerk anderen zur Verfügung zu stellen, Sprachbarrieren zu akzeptieren und zu tolerieren sowie Freude am Erfolg anderer haben – und vielleicht sogar in kleinem Massee dazu beigetragen zu haben. Wichtig ist auch, dass Sie den Austausch mit anderen Menschen schätzen, gerne Wege finden, um gemeinsam vereinbarte Ziele zu erreichen, und offen dafür sind, Ihre eigenen Werte und Sichtweisen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Dann bietet das Mentoring-Programm eine manchmal emotional berührende, herausfordernde, aber sehr bereichernde Möglichkeit. Sie können Ihre Erfahrungen und Kontakte einsetzen, um die Perspektiven eines anderen Menschen zu verbessern und qualifiziertes Talent in unsere Gesellschaft einzubringen. 

Wenn Sie daran interessiert sind, SEET als zukünftiger Mentor, Spender, Partner oder Freiwilliger zu unterstützen, senden Sie uns bitte eine E-Mail an: seet@seet.ch  

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